Trauer am Arbeitsplatz - Vom Umgang mit einer gar nicht so schlimmen Emotion

Bis heute hält sich hartnäckig die Haltung „Gefühle am Arbeitsplatz sind unprofessionell“. Dabei haben viele von uns, gerade in den letzten beiden Pandemie-Jahren, eine regelrechte Achterbahnfahrt der Gefühle erlebt. Grund genug, unsere Haltung zum Thema „Emotionen am Arbeitsplatz“ auf den Prüfstand zu stellen. Was also können Mitarbeitende und Führungskräfte tun, um mehr Raum für die Emotionen zu schaffen, mit denen wir uns schwertun?

Wir haben fünf Ideen für euer Team zusammengestellt, um für Krisensituationen gut aufgestellt zu sein und Fürsorge auch im Job zu leben:

1.Stille aushalten:

Wenn sich ein Kollege oder eine Kollegin in einer Krise befindet, sind viele von uns überfordert und wissen nicht recht, wie sie sich verhalten sollen. Das liegt daran, dass wir den Umgang mit den nicht so freudvollen Emotionen des Lebens häufig nie gelernt haben. Dann greifen wir auf Floskeln wie „Das wird wieder“ oder „Für irgendwas ist es gut“ zurück, welche für Betroffene nicht hilfreich sind oder die Situation sogar verschlimmern. Dabei braucht eine echte Unterstützung meistens gar nicht viele Worte. Da sein, aktiv zuhören und Stille und Schweigen aushalten zu können sind häufig viel kraftvoller als irgendwelche Plattitüden.

2.Angebote maßschneidern:

Ebenso sind es Angst und Überforderung, die uns häufig übersehen lassen, was jemand in einer akuten Krisensituation wirklich braucht. Was tun? Einfach fragen! Denn häufig fühlen sich Betroffene gerade dann wahrgenommen, wenn sie nicht in Watte gepackt, sondern aktiv gefragt werden. „Möchtest du auf deine Situation angesprochen werden? „Hilft dir ein Kondolenzbuch von Kollegen und Kolleginnen? Möchtest du nach einer gemeinsamen Mittagspause gefragt werden, auch wenn du sie in der letzten Zeit lieber allein verbracht hast?“ Fragen wie diese sorgen für Sicherheit- für Betroffene und Kollegen. Maßschneidern lässt sich auch die Arbeitszeit. Wer metertief in einer Krise steckt, schafft häufig keinen ganzen Arbeitstag. Gleichzeitig geben feste Aufgaben und Strukturen auch Halt und vermitteln das Gefühl, gebraucht zu sein. Daher lohnt sich auch hier ein Gespräch zwischen Mitarbeitenden, Führungskraft und Personalabteilung, um eine gute Lösung zu finden.

 3.Raum für Persönliches schaffen:

Ein kurzer Check-In zu Beginn eines Meetings oder ein wöchentlicher Team-Call sind zwei Ideen, um bewusst Sichtbarkeit für das persönliche Befinden von Mitarbeitenden zu schaffen. Das kann fröhlich, traurig, lustig oder nüchtern ausfallen- es geht um eine klare Kennzeichnung von „Jetzt sprechen wir über uns!“. Die Spielregel lautet hier, dass alle anderen aktiv zuhören und keine Aufgaben parallel erledigen. Das schafft Vertrauen im Team, ermöglicht es auch zurückhaltenden Persönlichkeiten, sich zu öffnen und einzubringen und generiert nebenbei noch eine höhere Bindung ans Unternehmen.

 4.Emotionale Kern-Kompetenz:

Reportings, Dienstpläne, Inhalte. Häufig stecken Führungskräfte noch viel zu sehr im operativen Geschäft, um tatsächlich die Bedürfnisse, Stärken und individuellen Situationen ihrer Mitarbeitenden im Blick zu haben. Doch insbesondere Führungskräfte brauchen die Fähigkeit, sich empathisch auf ihr Gegenüber einzulassen und auch „schwierige“ Emotionen auszuhalten. Viele verbinden einen guten Team-Zusammenhalt mit Ausflügen oder Prämien. Eine groß angelegte Studie von Google aus dem Jahr 2018 zeigt hingegen: Der Schlüssel zu Zufriedenheit und Effektivität von einzelnen Teams ist die „psychologische Sicherheit“. Und die speist sich wiederum aus einem hohen Maß an Vertrauen und einer guten Fehler-und Feedbackkultur. Ein gutes Management für Krisen und Trauersituationen bedeutet also auch, dass ich mein Team stärke und mein Unternehmen attraktiv mache. 

 5.Externe Hilfe hinzuziehen:

Wer nicht weiterkommt, darf sich Unterstützung von außen holen. Gerade Führungskräfte tun gut daran, in extremen Situationen einen externen Coach oder Ansprechpartner für Mitarbeitende in Krisen zu beauftragen. Wichtig ist hierbei, dass die Fürsorge nicht einfach an eine andere „Instanz“ abgeschoben wird, sondern sie die eigene Gesprächsbereitschaft ergänzt. Fündig werden Interessierte zum Beispiel über den Berufsverband für Trauerbegleitung oder beim Deutschen Verband für Coaching und Training. Und auch ein Teamkollege oder eine Teamkollegin, der sich zum Thema weiterbilden lässt, kann eine wertvolle Ressource sein.

Wie sieht Trauer-und Krisenbegleitung in der Praxis aus? Das erfahrt ihr im nächsten Corporate-Happiness Podcast. Zu Gast ist dann Petra Sutor, die als Trauerbegleiterin Mitarbeitende eines großen Beratungskonzerns unterstützt, wenn deren Leben aus den Fugen geraten ist. 

Die Webseite des Bundesverbands für Trauerbegleitung: https://bv-trauerbegleitung.de/

Die Webseite des deutschen Verbandes für Coaching und Training: https://www.dvct.de/

Google-Studie: Edmondson, A. C. (2018). The fearless organization: Creating psychological safety in the workplace for learning, innovation, and growth. John Wiley & Sons.

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