Resilient gegen Resilienz?

Resilienz. Dieser Begriff wurde ähnlich wie jener der Hoffnung in den vergangenen zwei Jahren noch und nöcher verwendet. Gerade in Zeiten wie diesen, wird immer wieder gepredigt, Resilienz ist der Rettungsanker nach dem die Menschheit händeringend greift oder es zumindest versucht. Man könnte fast meinen, wir wären resilient gegenüber unserer Resilienz. Doch was steckt aus psychologischer Sicht dahinter und lohnt es sich, dieses Wort in deinen Alltag zu integrieren? 

Wie in unserem letzten Artikel angekündigt, verraten wir dir in diesem Beitrag mehr über die Facette der Resilienz, des H.E.R.O Modells (Hoffnung, Selbstwirksamkeit, Resilienz und Optimismus).

Was genau ist Resilienz?

Resilienz ist die Fähigkeit, sich von Widrigkeiten zu erholen und an der Überwindung negativer Ereignisse zu wachsen.

Wir alle erleben im Leben Schwierigkeiten und Ablehnung. Aber was uns erfolgreich und strebsam macht, wird nicht dadurch definiert, wie oft wir zurückgewiesen werden, sondern wie oft wir uns wieder aufrappeln und es noch einmal versuchen. Im Grunde geht es bei der Resilienz darum, zu lernen, zu fallen und nach dem Fall wieder aufzustehen.

Welche Vorteile bringt mir meine Resilienz?

Durch das Gefühl von Kontrolle in herausfordernden Zeiten sowie Krisen fühlt man sich positiver, was sich ebenso positiv auf die eigene Gesundheit auswirkt. Und wer sagt zu einer längeren Lebenserwartung, einer geringere Depressionsrate und einer größeren Lebenszufriedenheit schon nein? 

Menschen mit einem geringen Maß an Belastbarkeit sind laut der Harvard Medical School eher von chronischem Stress betroffen, der gesundheitsschädliche Folgen wie Bluthochdruck, ein geschwächtes Immunsystem, Angstzustände, Depressionen, Schlaflosigkeit, Sodbrennen, Verdauungsstörungen und Herzerkrankungen mit sich bringt.

Also verraten wir dir jetzt eine Handvoll psychologischer Konzepte, die dich im Aufbau deiner Resilienz stärken werden, sodass Du zu der ersten Gruppe der Menschen mit längerer Lebenserwartung und -zufriedenheit zählst.

Wie kannst du nun deine Resilienz trainieren?

Der Forschung nach handelt es sich um eine Kombination von drei Fähigkeiten, die sich wiederum in unterschiedlichen Situationen des Alltages zeigen können. 

1. Reframing vs. Realistischer Blick nach vorne 

In Situationen der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit gibt es zwei Varianten, die Dinge zu betrachten. Entweder man denkt positiv und optimistisch oder man stellt sich der Realität. Das Konzept des Reframings kann deinen Optimismus unterstützen, indem du eine kognitive Umdeutung vornimmst. Für mehr Informationen zum Reframing gelangst du mit nur einem Klick hier zu einem weiteren interessanten Artikel.

Zum Beispiel zu Beginn der Corona-Pandemie konnte man den Lockdown als Möglichkeit wahrnehmen, mehr Zeit in den eigenen vier Wänden zu verbringen und z.B. endlich jene Möbel reparieren, welche schon monatelang auf der To-Do Liste standen und dennoch immer wichtigere Dinge gefunden worden sind. Oder aber der Lockdown präsentierte sich als jene Zeit, in der neue Hobbies wie z.B. Yoga oder Backen auf der Tagesordnung standen, da man davor irgendwie immer beschäftigt gewesen ist und jetzt Raum und Zeit zum Ausprobieren hatte. Falls Du mehr zum Reframing erfahren möchtest, findest du hier ein paar mehr Informationen von uns.

Aber auch die Fähigkeit, der Realität ins Auge sehen zu können, ist eine Facette der Resilienz. Wenn Du erwartest, dass die Dinge bald besser werden, könntest Du die Energie und Hoffnung verlieren, wenn sich die Situation nicht schnell genug ändert. Daher kann es in schwierigen Situationen eine bessere Grundlage sein, sich der Realität zu stellen und sie zu akzeptieren, um die Not zu ertragen, solange sie andauert.

Eine gesunde Balance zwischen den zwei Facetten ist der Schlüssel zum Erfolg und je nachdem, welche Sichtweise dir weniger liegt, kann umso mehr von dir trainiert werden.

2. Die Suche nach dem Sinn deines eigenen Tuns

Der Kern der Resilienz liegt in deiner Fähigkeit, einen Sinn zu finden, selbst wenn Du mit einem Schicksal konfrontiert bist, das Du nicht ändern kannst.

Daher ist es umso wichtiger, den Sinn deiner Tätigkeit und deines Seins zu definieren und dir diesen in herausfordernden Zeiten vor Augen zu halten. Wie einst Nietzsche schon zu sagen pflegte: Hat man sein WARUM des Lebens, so verträgt man sich mit fast jedem WIE. 

Jede*r von uns hat einen anderen Sinn im Leben. Dabei ist es völlig egal, ob dieser im Beruf, in einem sozialen oder politischen Anliegen, einem kreativen Projekt oder einem religiösen/spirituellen Überzeugung liegt und in der Karriere oder durch außerschulische, ehrenamtliche oder gemeinschaftliche Aktivitäten gefunden wird. Hauptsache Du hast den Sinn für dich definiert.

Und falls dich das bisher noch nicht überzeugt hat: Menschen, die angeben, einen Sinn im Leben zu haben, leben länger, sind zufriedener und haben weniger gesundheitliche Probleme. 

Der Sinn des Lebens ist auch eine der fünf Säulen in dem bekannten PERMA-Modell von dem Psychologen Seligman. Was unser psychisches Immunsystem damit zu tun hat und welche Facetten in diesem Modell noch untergebracht sind, erfährst du hier.

3. Erwarte das Unerwartete

Deine Fähigkeit, eine Situation mit dem zu bewältigen, was dir zur Verfügung steht, ist ein starker Prädiktor für deine Fähigkeit, dich von Herausforderungen zu erholen. Es geht also nicht so sehr um die Werkzeuge, die dir zur Verfügung stehen, sondern um die Fähigkeit, diese Werkzeuge neu anzuordnen und neue Dinge damit zu kreieren. Wir werden in unserem Alltag ständig gefordert, unsere Improvisations-Skills unter Beweis zu stellen.

Beispiel gefällig? Egal ob ein einfaches Teamgespräch mit den Arbeitskolleg*innen bezüglich einer dringlichen Kundenanfrage, das unkonventionell gebaute Home-Office „Büro“ am Bügelbrett neben dem Küchentisch in den ersten Wochen des Lockdowns oder die einfache Google-Suche nach weiteren Lösungsvorschlägen im Internet für die rasche Entfernung von Rotwein-Flecken, nur wer wagt, gewinnt. 

Dennoch tendieren zu einer Perfektion unserer Planungskünste, um das nächste Mal nicht mehr improvisieren zu müssen. Dabei wäre es sinnvoller, sich auf unsere Haltung zu konzentrieren. Dein Potenzial steckt in deiner Gelassenheit und das Vertrauen in dich selbst, die Dinge erneut zu meistern.

Improvisieren geht über Studieren

Selbst wenn der eingeschlagene Weg der Improvisation mal nicht passen sollte, nutze diesen „Fehler“ als Erkenntnis und Lernmöglichkeit für neue Herausforderungen. Um die Werkzeuge von vorhin aufzugreifen: Diese dürfen auch mal kaputt gehen oder müssen neu adjustiert werden. Und ohne Baufehler gäbe es gewisse Bauten heute nicht in ihrer derartigen Form wie z.B. den schiefen Turm von Pisa oder die Hagia Sophia.

Die hatten ja doch alle Recht?!

Ja, unser Fazit reiht sich bei den etlichen Berichten der vergangenen Monate ein, welche die Meinung vertreten, die eigene Resilienz zu stärken. Gerade aus psychologischer Sicht ist diese Fähigkeit, Widrigkeiten zu überstehen, ein Investment, welches sich zu 100% lohnt und dich im Gegenzug ebenso belohnt, und zwar nicht nur in Krisen. Um dich zum Resilienz-Hero auszubilden, haben wir noch ein paar Alltagstipps im Gepäck für dich.

Deine Daily Dosis Resilienz

Meditieren / Yoga / Atemübungen 

– helfen dem Entgegenwirken von Stress durch die Auslösung von einer Entspannungsreaktion. Hilft außerdem, Blutdruck, Herzfrequenz, Atemfrequenz, Sauerstoffverbrauch und Stresshormone zu senken.

Reframing = Umdeutung und Neubewertung von Situationen 

Zeit mit Freunden und Familie

– wichtige Stresspuffer, da man Gedanken und Emotionen mit diesen teilen kann und dir jene Menschen bei Bedarf helfen können

Positives Denken etablieren 

– in negativen Situationen (Stress, Krise) denkt man leicht darüber nach, was alles falsch läuft, daher am Ende des Tages einfach mal überlegen, welche drei Dinge gerade gut laufen oder für dankbar ist (alles ist erlaubt - egal ob die Tasse Kaffee am frühen Morgen, das nette Kundengespräch am Telefon, die Projektabgabe oder die Nachricht einer guten Freundin)

Lächeln bitte

– mithilfe eines lustigen Filmes, alten Fotos Stresshormone abbauen und das Immunsystem stärken – ansonsten auch einfach mal die Leute im Alltag nett anlächeln – Achtung: Ansteckend :-)

 

Idealerweise stärkst du jeden Tag eine oder mehrere dieser Vorschläge (oder deine eigenen Ideen), denn je mehr Du übst, desto resilienter wirst du! 

 

P.S. Nicht vergessen

Allein die Sensibilisierung für deine Resilienz und die Wertschätzung der bestehenden Fähigkeiten und Ressourcen in diesen Bereichen kann bereits positive Wirkungen haben. Zudem hat die Förderung dieses Bereiches positive Auswirkungen auf die anderen drei H.E.R.O. Dimensionen. Das Bewusstwerden von deinem einzigartigen, individuellen Kapitals, deinem persönlichem H.E.R.O, ist somit an sich schon eine starke und nützliche Intervention.

 

Falls Du jetzt aber noch nicht genug Input für deinen inneren H.E.R.O hast, kannst Du in zwei Wochen gerne wieder auf einen Klick zum Thema Optimismus vorbeikommen! Und für die besonders Wissbegierigen gibt es hier wissenschaftliche Quellen am Ende des Artikels. 

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