Halb volles oder halb leeres Glas? Oder doch beides zugleich?

Na, welche Sichtweise vertrittst Du? Die Glas-Metapher ist der Klassiker an Verbildlichungen für die Diskussion von Optimismus und Pessimismus. 

Realisten würden behaupten, dass das Glas jeweils halb voll mit Wasser und halb leer mit Luft ist. Und jede/r von uns hat das Recht, die Sichtweise zu wählen, die ihr/ihm am meisten zusagt. Doch wir verraten Dir heute, warum es von Vorteil sein könnte, ab und an eine optimistische Perspektive einzunehmen. 

 Wie in unserem letzten Artikel angekündigt, verraten wir dir in diesem Beitrag mehr über die letzte Facette des H.E.R.O Modells: Optimismus. (Hoffnung, Selbstwirksamkeit, Resilienz und Optimismus).

 

Was genau ist Optimismus?

Optimismus ist definiert als eine positive Zuschreibung von Erfolg in der Gegenwart und in der Zukunft. Optimistische Menschen glauben, dass ihnen in der Zukunft gute Dinge passieren werden, egal was passiert. Man kann also von einer individuellen Überzeugung und Stärke sprechen, sich auf die positiven Dinge im Leben zu fokussieren, was schlussendlich in der individuellen Widerstandsfähigkeit resultiert.

Wie bereits erwähnt, geht es vor allem um die Wahrnehmung von Dingen oder Situationen. 

Angenommen Du triffst auf zwei Personen (A & B) desselben Alters. Beide durchleben gerade eine belastende Trennung von ihrer jeweiligen langjährigen Beziehung. Beide Personen sind gleichermaßen in emotionaler Aufruhr. Person A beschließt jedoch, sich auf dessen Beruf zu konzentrieren, um im Leben weiterzukommen. Person B steckt hingegen emotional dermaßen in den eigenen Gedanken fest, sodass sich diese Person nicht vorstellen kann, jemals etwas Gutes erleben zu können.

Person A ist in diesem Beispiel die eindeutig optimistischere Person, obwohl beide eine sehr ähnliche Ausgangslage vorweisen können. Dies zeigt, dass Optimismus mehr als Haltung gesehen werden kann, wie Du deine Gedanken wahrnimmst, diese interpretierst und anschließend damit umgehst.

 

Welche Vorteile bringt mir mein Optimismus?

Wie du dir bereits denken konntest, wirkt sich Optimismus positiv auf deine Gesundheit aus. Neben einem besseren Immunsystem und einer geringeren Depressionsanfälligkeit zeigt sich diese Facette auch in einem höheren Zufriedenheitslevel sowie höherem Lebensalter. Du lebst als Optimist*in also nicht nur „happier“, sondern auch länger.

Zusätzlicher Pluspunkt für dich: Durch die optimistische Sichtweise tendiert man zu mehr Offenheit im Alltag und erhält Möglichkeiten, die eine pessimistische Person möglicherweise nicht sofort am Schirm hatte.

 

Wie kannst du nun deinen Optimismus trainieren?

Auch bei diesem Forschungsthema war Martin Seligman vorne mit dabei und erklärt den Optimismus als erlernbar und nicht angeboren. Das heißt, wenn du momentan eher Team „Halb leeres Glas“ bist, ist es noch nicht zu spät, deine Perspektive zu wechseln. Optimistische Personen sind laut Seligman aus kognitiver Sicht fähig, die aktuelle Situation so zu verstehen, wie sie ist, und darauf hinzuarbeiten, die Dinge zu den eigenen Gunsten zu verändern.

Wie bei vielen anderen Konstrukten geht es auch hier darum, deinen Fokus zu verändern. Das Schöne am Optimismus ist, dass er durch unterschiedlichste Routinen gefördert und gestärkt werden kann. Übungen zur Akzeptanz der Vergangenheit oder zur Wertschätzung des Augenblicks sind besonders hilfreich. Ebenso die Betrachtung der Zukunft als Quelle von Chancen kann ein wertvolles Training darstellen, denn die Art und Weise, wie Du vergangene Ereignisse bewertest, hat einen großen Einfluss darauf, wie Du in die Zukunft blickst. 

 

1. Altbewährt: Reframing  

Wie bereits in unserem letzten Beitrag erwähnt, ist auch hier wieder das Reframing eine hilfreiche Methode zur kognitiven Umdeutung. Durch die Umdeutung findet ein Perspektivenwechsel statt, und Du kannst die  Situation aus einer neuen Sichtweise betrachten. Durch das “in einen anderen Rahmen setzen” verändert sich deine eigene Einstellung zu dem jeweiligen Gedanken oder Thema, Du erzeugst Abstand und generierst mehr positive Gedanken.

Denk an unser Beispiel von letztem Mal: Zu Beginn der Corona-Pandemie konnte man den Lockdown als Möglichkeit wahrnehmen, mehr Zeit in den eigenen vier Wänden zu verbringen und z.B. endlich jene Möbel reparieren, welche schon monatelang auf der To-Do Liste standen und dennoch immer wichtigere Dinge gefunden worden sind. Oder aber der Lockdown präsentierte sich als jene Zeit, in der neue Hobbies wie z.B. Yoga oder Backen auf der Tagesordnung standen, da man davor irgendwie immer beschäftigt gewesen ist und jetzt Raum und Zeit zum Ausprobieren hatte. 

 

2. Freue dich über die kleinen Dinge im Alltag

Die Sonne scheint, de Busfahrerin war heute besonders freundlich oder das Mittagessen schmeckt heute besonders gut. Das mag zunächst etwas abwegig klingen, aber holt Dich aus deinem Gedanken-Karussell. Auch wenn es darin gerade drunter und drüber geht – die Welt außen herum dreht sich weiter. Folgende Fragen können dir bei helfen: Wofür bin ich dankbar in meinem Leben? Worüber kann ich mich momentan freuen? Was waren drei gute Dinge des heutigen Tages?

 

3. Teile deine positiven Erlebnisse

Ganz nach dem Ansatz “Good news are no news” werden die oben genannten Beispiele meist in alltäglichen Erzählungen und Gesprächen vergessen. Also übe dich doch mal darin, von einem positiven Erlebnis in deiner nächsten Interaktion zu berichten und die versprühte positive Energie aufzusaugen.

 

4. Einfach mal lächeln

Du kannst dein Gehirn austricksen, um deinen Optimismus leichter zu trainieren. Wenn du lächelst, bekommt dein Gehirn die Nachricht, dass du glücklich bist. Morgens eine Minute lang zu lächeln, kann dir also schon zu einem guten Start in den Tag mit positiven Gedanken verhelfen.

 

Na, ist das Glas jetzt halb voll oder halb leer?

Auch hier reihen wir uns mit den bisherigen Debatten-Ergebnissen ein, dass wir nicht die Erleuchtung hatten und eine eindeutig, allgemein gültige Antwort geben können.

Wie bereits erwähnt, kann man sich je nach Lust und Laune für eine Sichtweise entscheiden, denn schlussendlich haben alle Perspektiven ihre Daseins-Berechtigung. Es wird Momente im Alltag geben, in denen man eher pessimistisch eingestellt ist und es wird genauso Situationen geben, in denen es leichter fällt, optimistisch zu bleiben. 

Eines können wir jedoch festhalten: Die positiven Auswirkungen auf deine Gesundheit, eine größere Lebenszufriedenheit und ein höheres Lebensalter sprechen als sehr starke Argumente definitiv für mehr Optimismus in deinem Alltag. :)

 

P.S. Nicht vergessen

Allein die Sensibilisierung für deinen Optimismus und die Wertschätzung der bestehenden Fähigkeiten und Ressourcen in diesen Bereichen kann bereits positive Wirkungen haben. Zudem hat die Förderung dieses Bereiches positive Auswirkungen auf die anderen drei H.E.R.O. Dimensionen. Das Bewusstwerden von deinem einzigartigen, individuellen Kapitals, deinem persönlichem H.E.R.O, ist somit an sich schon eine starke und nützliche Intervention.

Wir hoffen, dass Du nun ein ausgebildeter H.E.R.O. bist bzw. die Tools hast, mit denen du dich zu deinem persönlichen Superhelden entwickeln kannst! Viel Erfolg beim Üben und wie immer gibt es für die besonders Wissbegierigen hier die wissenschaftlichen Quellen am Ende des Artikels. 

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